Porträtfoto von Inka Tews

Interview mit Inka Tews, Hensoldt AG

Frischer Wind im Unternehmen

Interview

Verteidigungsfähigkeit beginnt bei Menschen, die entsprechende Systeme und Lösungen entwickeln und bauen. Hensoldt ist spezialisiert auf Sensorlösungen für Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen, unter anderem für die Luftverteidigung. Das Unternehmen mit Sitz in Taufkirchen bei München beschäftigt rund 9.500 Mitarbeitende und wächst rasant. Hensoldt sucht insbesondere hoch spezialisierte Experten in der System- und Softwareentwicklung sowie Elektro- und Nachrichtentechnik. Beim Recruiting setzt der Arbeitgeber unter anderem auf Beschäftigte aus technisch orientierten Unternehmen, die Stellen abbauen. Personalvorständin Inka Tews gibt einen ersten Einblick, wie sich die vielen neuen Beschäftigten auf die Team- und Unternehmenskultur auswirken und was sie sich mit Blick auf den Arbeitsmarkt von der Politik wünscht. 

„Sowohl in der Arbeitsweise als auch in der grundsätzlichen Einstellung sehen wir eine wechselseitige Beeinflussung. Das bestätigt unsere Auffassung, dass Diversität für das Miteinander, aber auch für die Arbeitsergebnisse der Projektteams sehr hilfreich ist.“
Inka TewsPersonalvorständin, Hensoldt AG

DEKRA: Wie viele neue Mitarbeitende suchen Sie aktuell? 

Tews: Wir haben im vergangenen Jahr ca. 1.300 Mitarbeitende eingestellt und wollen den Ausbau in diesem Jahr auf mehr als 1.600 Einstellungen erhöhen. Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum unseres Unternehmens auch im kommenden Jahr fortsetzt, sodass wir auch mittelfristig mit Einstellungen in dieser Größenordnung rechnen. Das Verhältnis von Ersatzbedarf zu neuen Stellen beträgt etwa 1:2.

DEKRA: Für welche Unternehmensbereiche benötigen Sie neues Personal?

Tews: Besonders gefragt sind derzeit Experten in den Bereichen Systementwicklung und Systemintegration, IT, Sensorik und Cyber-Security. Mit dem Wachstum unseres Geschäfts steigt auch der Bedarf an Managementkapazitäten, z. B. Projektmanagement und Finance.
Was die Fachrichtungen anbelangt, suchen wir vorrangig technische Qualifikationen, vor allem in den Bereichen Systementwicklung, Software/IT, Elektro- und Nachrichtentechnik und Optronik.

DEKRA: Auf welche Eigenschaften legen Sie den größten Wert?

Tews: Abgesehen von den fachlichen Qualifikationen spielen Kompetenzen wie Systemverständnis, Innovationsfähigkeit, proaktives, selbstständiges Handeln und Teamfähigkeit eine große Rolle.

DEKRA: Können Sie branchenfremde Fachkräfte direkt einsetzen?

Tews: Wir übernehmen oft Fachkräfte aus anderen Branchen, vor allem aus dem Automobilsektor. Dazu ist wegen der speziellen Anforderungen und Regularien in unserem Bereich in der Regel eine konzentrierte Einarbeitung notwendig. Hierfür haben wir einen speziellen Onboarding-Prozess, in dem Mentoren die neuen Mitarbeitenden individuell mit den wichtigsten Regeln im Unternehmen und dem späteren Arbeitsgebiet vertraut machen. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf die Integration der Kolleginnen und Kollegen in die bereichsspezifischen Weiterbildungsprogramme, in denen spezielle Fähigkeiten gezielt vermittelt werden.

DEKRA: Hensoldt hat zuletzt Teilen der Belegschaft anderer Unternehmen die Übernahme angeboten. Wie wurde das angenommen?

Tews: Es ist noch zu früh, Bilanz zu ziehen. Aber allein aus den Erstkontakten sehen wir, dass ein sehr großes Interesse besteht. Wir sind zuversichtlich, dass wir im Lauf des Jahres einen substanziellen Teil unseres Bedarfs über diese Angebote decken können.

„Wir würden uns wünschen, dass Wechsel zwischen Unternehmen und Branchen stärker unterstützt und bürokratische Hürden reduziert werden – etwa durch schnellere Vermittlungsprozesse, gezielte Qualifizierungsangebote und eine engere Vernetzung zwischen Unternehmen im Ab- und Aufbau.“
Inka TewsPersonalvorständin, Hensoldt AG

DEKRA: Diese Fachkräfte kommen aus weniger regulierten Branchen und u. U. einer völlig anderen Unternehmenskultur. Haben Sie dadurch Veränderungen im Unternehmen festgestellt? 

Tews: Durchaus. Sowohl in der Arbeitsweise als auch in der grundsätzlichen Einstellung sehen wir eine wechselseitige Beeinflussung. Das bestätigt unsere Auffassung, dass Diversität für das Miteinander, aber auch für die Arbeitsergebnisse der Projektteams sehr hilfreich ist.
Erste Beispiele zeigen, dass sich die Erfahrungen aus anderen Branchen belebend auf die Teams auswirken, während die strikte Vorgehensweise nach luftfahrt- oder militärspezifischen Regularien auch von unseren neuen Mitarbeitenden manchmal eine gewisse Umstellung erfordert.

Was eine mögliche Veränderung unserer Unternehmenskultur durch Beschäftigte anderer Branchen betrifft: Wir arbeiten schon seit einiger Zeit an der Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur mit Schwerpunkten auf der Übernahme von Verantwortung und Transparenz. Es ist immer schwierig, Veränderungen auf einzelne Faktoren zurückzuführen, aber der Einfluss neuer Sichtweisen wirkt hier sicherlich beschleunigend.

DEKRA: Welches sind die größten Herausforderungen im Recruiting in der Verteidigungsindustrie?

Tews: Die Herausforderungen unterscheiden sich kaum noch von anderen wachstumsorientierten Technikunternehmen: Fachkräfte in ausreichend großer Zahl und mit den richtigen Kompetenzen zu gewinnen, um unsere Lieferfähigkeit so schnell wie möglich zu erhöhen.

DEKRA: Was wünschen Sie sich mit Blick auf den Arbeitsmarkt von der Politik?

Tews: Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor der Herausforderung, Fachkräfte schneller zwischen schrumpfenden und wachsenden Industrien zu mobilisieren. Gerade in technologiegetriebenen Zukunftsbranchen ist der Bedarf enorm. Wir würden uns wünschen, dass Wechsel zwischen Unternehmen und Branchen stärker unterstützt und bürokratische Hürden reduziert werden – etwa durch schnellere Vermittlungsprozesse, gezielte Qualifizierungsangebote und eine engere Vernetzung zwischen Unternehmen im Ab- und Aufbau. Entscheidend ist, vorhandene Kompetenzen möglichst schnell dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden.

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